Ich liebe Biathlon
- Isabelle Weber

- vor 5 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Wenn ich erzähle, dass ich Biathlon liebe, ist die erste Frage in der Regel, warum. Auf den ersten Blick ist das nachvollziehbar: Ich komme nicht aus einer Wintersportregion, ich kenne keine der Athlet*innen persönlich und – für viele der erstaunlichste Punkt – ich habe in meinem Leben lediglich zweimal auf Langlaufskiern gestanden. Wenn man sich jedoch Deutschland und die Einschaltquoten deutscher Haushalte ansieht, ist Biathlon der absolute TV-Liebling (ha!). Gehen wir mal rein: Rund 3,18 Millionen Zuschauer*innen haben im Durchschnitt bei ARD und ZDF die Übertragungen der abgelaufenen Weltcup-Saison 2024/2025 gesehen.
Aber was macht die Faszination Biathlon aus?
Ich komme aus einer Familie, die immer schon einen emotionalen Zugang zu Sport hatte. Draußen in der echten Welt, aber eben auch drinnen vor dem Sofa. Fußball, Leichtathletik, Basketball – der Fernseher lief entweder für ein sportliches Kräftemessen oder für den Tatort am Sonntag.
Biathlon hat meine Eltern schon immer fasziniert. Mich selbst hat dabei die Mischung aus „Extremen“ gepackt: körperliche Höchstleistung auf den Skiern gepaart mit Konzentration und Präzision am Schießstand. Ein Sport, bei dem ein Fehler über Sieg oder Niederlage entscheidet. Ich liebe es, wie Spannung, Taktik und Persönlichkeit zusammenkommen. Gerade in diesem Winter, in dem im Februar die Olympischen Winterspiele in Italien stattfinden, ertappe ich mich dabei, wie ich die Läufe noch aufmerksamer begleite. Ich fiebre mit, nicht weil ich selbst auf der Loipe stehe, sondern weil ich jedes Rennen wie eine kleine Geschichte erlebe.
Die Frage von Talent und Ausdauer
Beim Biathlon kann wirklich jede*r gewinnen – oder sich zumindest kontinuierlich verbessern. Grundlagentraining zahlt sich aus. Wer regelmäßig trainiert, wird konsequent besser. Natürlich gibt es Ausnahmetalente, häufig bedingt durch körperliche Anlagen. Über Johannes Thingnes Bø, der letzte Saison super emotional seine Karriere beendet hat, ist zum Beispiel bekannt, dass er ein besonders hohes Lungenvolumen besitzt. Aber die meisten Spitzenathlet*innen erreichen ihr Leistungsmaximum oft erst Ende 20, weil Ausdauer, Technik und mentale Stärke zusammenkommen müssen. Genau das erzeugt die besonderen Momente – wie die 31-jährige Franzi Preuß, die im vergangenen Jahr den Gesamtweltcup gewonnen hat, nachdem sie seit 2013 nur einen einzigen Sieg feiern konnte. Biathlon zeigt also, dass Geduld, harte Arbeit und Durchhaltevermögen sich langfristig auszahlen.
Kein Sport der Superstars
Auch aus Kommunikationssicht finde ich Biathlon unglaublich spannend. Anders als in vielen anderen Sportarten gibt es hier nur wenige absolute „Superstars“, die alles dominieren und für hohe mediale Aufmerksamkeit sorgen. Stattdessen diskutiert die Szene aktuell über die unterschiedlichen „Typen“ im Sport. Man spricht immer von der Biathlon-Familie, in der sich alle im Zirkus wirklich gut leiden können. Wollen Zuschauer*innen das sehen? Ist Sport nicht immer auch Entertainment? Braucht es nicht Charaktere wie beispielsweise Noah Lyles in der Leichtathletik oder Cristiano Ronaldo im Fußball? Irgendwie ist Biathlon die Sportart für „Normalos“. Und genau das schafft für mich nachhaltigere Geschichten – echte Geschichten von echten Menschen. Und genauso sehen das dann eben 3,18 Millionen Menschen in Deutschland.

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